Parallelität der Gabelrohre bei 51/3

Begonnen von Sleepyweasel, 04 April 2026, 15:30:41

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Sleepyweasel

Hallo zusammen,

nachdem ich von eurer Expertise bezüglich der Gabeldämpfer schon profitiert habe (danke dafür  :) ), habe ich mich jetzt hier mal angemeldet, weil ich mir der Überholung meiner 51/3 Gabel in einem Punkt ein wenig unsicher bin und in der Suche keine passenden Threads gefunden habe.

Ich habe neue Rohre und Buchsen beim Rabenhauer gekauft und bin jetzt dabei, die Gabel wieder zusammen zu bauen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass die Rohre nicht parallel zueinander stehen. Im originalen Werkstatthandbuch steht drin, dass man die Parallelität der Rohre durch Auflegen von zwei Linealen prüfen soll. Leider gibt es keine Angaben zu Grenzwerten oder Ähnliches.
Wenn ich jetzt von der Seite an den Rohren vorbeipeile würde ich sagen, dass am unteren Ende der Rohre eine Abweichung von etwa 3mm vorliegen. Wenn man den Abstand zwischen den Rohren misst, ist die Abweichung deutlich unter einem Millimeter.

Meine Frage ist jetzt, was hier tolerabel ist und wann man eine neue untere Gabelbrücke kaufen sollte.

Viele Grüße
Sebastian
Das Ding da mit dem Motor? Das ist mir zugelaufen, ehrlich!




omenerer

Hallo Sebastian,
ein Grenzmaß habe ich nicht.
In der R75 Reparatuanleitung wird dies geprüft durch Auflegen einer Wasserwaage in verschiedenen Positionen.
Alternativ habe ich eine Glasplatte benutzt.
Bei Unstimmigkeiten soll nachgerichtet werden. 3mm ist bei dem langen Hebelweg nicht viel. Ich denke nicht, dass man beim Richten unter 1mm kommt.
Es wäre daher zunächst zu prüfen, ob sich das montierte Rad leicht verschieben läßt und im ersten Schritt könnte man über Unterlagen an der Gabelbrücke nachdenken, z.B. Alufolie.
Zum Richten und der erzielten Genauigkeit müsste ich noch eigene Aufzeichnungen haben.
Evtl. meldet sich aber noch jemand mit der korrekten Vorgehensweise.
Schöne Ostern noch, Jochen.

motoclub

Ich würde auf jeden Fall die Gabel komplett montieren, also inkl. oberer Gabelbrücke. Selbst im Fall einer leicht verzogenen unteren Gabelbrücke richtet sich doch das Material bei neuen, geraden Rohren ordentlich aus.

Ein Unterschied von 3 mm ist absolut nicht ok - wie sollen die Tauchrohre da spannungsfrei gleiten? Selbst bei einem mm wird es schwierig. Bei gebrauchten Rohren, die nicht 100% gerade sind (und das sind 9 von 10 Standrohren nicht, bedenkt, was die alles hinter sich haben!), müssen die Rohre so eingebaut werden, dass der 'Bogen' in gleich ausgerichtet und in oder gegen die Fahrt-Richtung liegt - nur dann habe ich ein halbswegs akzeptables Losbrechmoment. Alles andere führt zum  Klemmen und limitiert den Fahrspaß sehr.

Noch ein Wort: Ein Profi wird sagen (müssen): "Alles neu!" Ich bin kein Profi, sondern ich versuche, das vorhandene Material soweit es geht weiterzuverwenden. In diesem Licht bitte ichb das Gesagte zu verstehen. 
Viele Grüße
Thomas

Sleepyweasel

Danke für eure Beiträge.
Dass bei der R75 Gabelbrücken gerichtet wurden kann ich mir gut vorstellen, erstens harter Kriegseinsatz und zweitens schwierige Ersatzteilversorgung an der Front. Ohne den Vergleich zu haben würde ich mal behaupten, dass die Teile daher auch entsprechend robuster ausgelegt sind.
Auf das Richten von Fahrwerksteilen würde ich in meinem Falle gerne verzichten, vor allem weil die Gabelbrücken aus Gusseisen zu sein scheinen. Thomas weist in seinem Buch ja auch auf mögliche Risse hin (ja, auch ich habe es mir geholt  ;) )
Ich habe auch beide Gabelbrücken montiert. Ergebnis: Es wird noch schlechter.
Danach habe ich die Rohre mal nur mit der oberen Brücke zusammengebaut... Das Teil ist krumm wie eine Banane!  ::) Hatte schon Sorge dass ich mir die neuen Rohre verzogen habe, war aber zum Glück nicht so.
Daher hat ein gewisser Motorradladen jetzt wieder eine Bestellung von mir auf dem Tisch. Zwei "neue" Gabelbrücken und ein neues Lenkkopflager. Alles in allem bin ich jetzt bei 1500 Euro mit den neuen Rohren, Buchsen und Kleinkram. Ganz schön teuer diese alten Böcke :o

Viele Grüße
Sebastian
Das Ding da mit dem Motor? Das ist mir zugelaufen, ehrlich!

mitoma68

#4
Zum Thema 'Richten einer Gabelbrücke'

Bei Kleinanzeigen hatte ich eine relativ gut erhaltene obere Gabelbrücke einer R67/2 erstanden. Es stellte sich leider heraus, dass das Auge, in dem das Lenkkopf-Rohr eingeschraubt ist, ganz leicht schräg stand (Höhendifferenz rechts/links ca. 1 mm), so als sei bei einem Unfall ein anderes Fahrzeug seitlich in die Gabel reingefahren.
Mit der Gabelbrücke bin ich zu einem Spezialisten gefahren, der seit über 30 Jahren verzogene Rahmen und Fahrgestelle von allen möglichen Fahrzeugen, Nutzfahrzeugen und landwirtschaftlichen Geräten begutachtet und diese richtet und schweißt.
Er sah sich das an und meinte, dass er bei dieser Art Feinguss (nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Grauguss) keinerlei Bedenken bzgl. Richten (in gewissen Grenzen) hat und hat mir das Auge in kürzester Zeit auf einer großen Presse wieder parallel zur Ebene der Gabelbrücke gerichtet. Aber letztlich muss das jeder für sich entscheiden.
Gruß, Thomas

alt-aber-gut

Ja, das ist leider immer so bei unseren alten oder oft auch sehr alten Fahrzeugen insgesamt bedingt. Diese haben in ihrer langen Vergangenheit auf der Strasse oft harte Einsätze hinter sich und bedürfen nun gründlicher, liebevoller Pflege und Sachverstand. Die jedesmal benötigten Verschleißteile werden oft nicht mehr hergestellt und die noch auf dem Mark verfügbaren Altteile sind fast immer außerhalb der Toleranzwerte. Deshalb wird hier mit Sicherheit auch in Zukunft nichts mehr billiger oder günstiger werden. Auch eventuelle Neuauflagen, wenn es sie dann gibt, erreichen niemals so große Stückzahlen als das sich dies in niedrigen Preisen auswirken könnte. Dieses Hobby kostet harte Devisen und noch mehr Geduld und ebenso gute Vernetzung innerhalb den Liebhaberkreisen. Trotzdem dir ein gutes Gelingen und noch viele schöne Km mit dem Veteranen. Grüße, *****
La bêtise est toujours nettement supérieur à l'intelligence, car toute intelligence du monde ne permettra jamais de comprendre la bêtise universelle qui nous entour au quotidien.

motoclub

Wie viele gebrochene Gabelbrücken kennt Ihr? Das mag es geben, ein typischer Schaden ist das aber nicht. Und das nach teils horrenden Fahrleistungen und 75 Jahren ...

Die obere Gabelbrücke ist bei diesen Motorrädern doch sehr massiv (vgl.: /5 ...) ausgeführt, ich würde mich wundern, wenn da was krumm ist - das geht ja nur durch massive Einwirkung. Und die untere lässt sich sehr leicht in Form bringen.

Abschließend noch die Frage, ob die Neuanfertigungen besser sind als eine gerichtete Brücke? Kann sein, aber sicher wäre ich mir da nicht ... (das soll ausdrücklich keine Suggestivfrage sein, ich kenne die Nachfertigungen aus dem Handel für diese Modelle nicht).
Viele Grüße
Thomas

Sleepyweasel

@mitoma68 kannst Du mir den Kontakt weiterleiten? Dann versuche ich das auch mal. Wusste nicht, dass es da Spezialisten gibt. Bei Fahrwerksteilen bin ich immer sehr vorsichtig.
Ich habe gebrauchte, also original BMW Brücken geordert. Bin mal gespannt wie gerade die sind.  :Frage:

Komme eigentlich aus der luftgekühlten VW-Szene (späte 50er Jahre). An die Eigenheiten der alten Boxer muss ich mich erst noch gewöhnen  :D
Das Ding da mit dem Motor? Das ist mir zugelaufen, ehrlich!

Sleepyweasel

Nachdem ich den Hobel nun endlich wieder zum Großteil zusammen habe, möchte ich hier mal meine Erfahrungen teilen und einen Zwischenstand durchgeben.
Ich hatte mir zwei "neue" (keine Repros, sondern Originalteile) Gabelbrücken bestellt, die aber noch stärker verbogen waren als meine. Ich habe sie daraufhin wieder zurück geschickt.
Danach habe ich meine alten zum Richten an einen Spezialbetrieb geschickt, inklusive Standrohren und Schrauben. Das Richten hat pro Stück 60 Euro gekostet, was ich echt okay fand.
Leider habe ich beim Zusammenbauen gemerkt, dass die obere Brücke genauso krumm war wie vorher  ::)
Habe sie dann kurzentschlossen selber gerichtet, hatte keine Lust, wieder zur Post zu rennen.
Jedenfalls ließen sich die Standrohre gut montieren und standen auch hinreichend parallel zueinander.
Die Führungsbuchsen habe ich mit etwas Öl eingerieben, bevor ich die Tauchrohre aufgeschoben habe. Das SAE20 habe ich noch nicht, deswegen konnte ich noch keine Probefahrt machen.
Die Gabel federt aber eher unwillig ein und aus. Ich merke einen deutlichen Stick-Slip Effekt.
Habe jetzt die unteren Führungshülsen gegen die alten aus Bronze ausgetauscht, aber es ändert sich nichts.
Vielleicht liegt es ja am fehlenden Öl, aber vielleicht liegt es auch an der alten Konstruktion und meine Ansprüche sind zu hoch  :P
Übernächstes Wochenende werde ich das ÖL einfüllen und ne Runde fahren, dann weiß ich hoffentlich mehr.
Das Ding da mit dem Motor? Das ist mir zugelaufen, ehrlich!

R67treiber

Wenn Du die Gabel und das ganze Gedöns vorne bereits fertig montiert hast, mach mal folgendes. Lockere alle Schrauben (Kotflügel, Achsklemmschraube, eventuell sogar die Klemmschrauben an der unteren Brücke, nicht die Achse) und Versuch dann mal die Gabel einzutauchen. Manchmal verklemmt sich die Gabel beim Anbau des Kotflügels. Wenn das der Fall ist, behutsam durch sorgfältiges Anziehen der Schrauben und zwischendurch immer wieder eintauchen der Gabel wieder alles anziehen (falls zweite Person in der Nähe, eventuell sogar beides gleichzeitig). Hört sich seltsam an aber hat mir bei meiner R75 geholfen.

Klaus
4-Zylinder Motoren sind Fehlkonstruktion: Zuviel fürs Moped und zuwenig fürs Auto

Sleepyweasel

Hi Klaus,

vielen Dank, das war ein sehr guter Tip  :)
Ich hatte zwar die ganzen Schrauben schon mal gelöst und alles mit dem Schonhammer abgeklopft, aber auf die Idee, die Gabel mit losen Schrauben mal einzufedern bin ich nicht gekommen.
Läuft jetzt deutlich besser.
Ich hoffe da geht noch ein bisschen was wenn das Öl drin ist. Dann bin ich zufrieden.  :D
Das Ding da mit dem Motor? Das ist mir zugelaufen, ehrlich!

R67treiber

Prima. Beim wieder anziehen der Schrauben am besten mit der Achsklemmschraube anfangen.

Viel Erfolg
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