Kurbelgehäuseentlüftung

Begonnen von jan.h., 17 August 2025, 10:18:57

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jan.h.

Hallo Boxerschrauber,
aus einem US Forum:

Erklärung des Kurbelgehäuse-Entlüftungssystems:
Wenn sich die Kolben in den Bohrungen nach unten bewegen, baut sich Druck im Kurbelgehäuse auf. Wenn die Kolben den Boden erreichen, richtet sich eines der Fenster in der Entlüftungsplatte des Steuergehäuses auf das Loch in der Steuerrad-Abdeckung aus, und die Druckluft entweicht durch das Entlüftungsrohr unten an der Steuerabdeckung.
Wenn sich der Motor weiterdreht, wird das Fenster geschlossen, und wenn sich die Kolben in der Bohrung nach oben bewegen, entsteht im Kurbelgehäuse ein Vakuum.
Wie gelangt die Frischluft in das Kurbelgehäuse? Die Lippe der hinteren Hauptdichtung hebt sich leicht von der Schwungradnase ab, und Luft strömt unter der Lippe der hinteren Hauptdichtung hindurch!

Kann man das mit dem Abheben der Dichtlippe am Wellendichtring-Kurbelwelle so gelten lassen?
Habe ich noch nie gehört.
Gruß Jan.




Heiko

Wie Frischluft? Der ,,leichte" Unterdruck ist doch gewollt.
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

GreenR50

Zitat von: jan.h. am 17 August 2025, 10:18:57Die Lippe der hinteren Hauptdichtung hebt sich leicht von der Schwungradnase ab, und Luft strömt unter der Lippe der hinteren Hauptdichtung hindurch!

Kann man das mit dem Abheben der Dichtlippe am Wellendichtring-Kurbelwelle so gelten lassen?

Eine sehr fansievolle Erklärung. Oder es soll ein Witz sein.

jan.h.

diese Erklärung kommt von: "https://vintagebmw.org/forum/de/viewforum.php?f=7 "
und vom BMW Ober-Guru, was mich doch sehr wundert.
Jan.

Heiko

#4
Wer ist denn da der Guru in dem Forum...  :schlaf:
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

jan.h.

#5
der da: (vechorik 1373
https://vintagebmw.org/forum/de/viewtopic.php?t=45791
Jan.
(ehemaliger Berater von Bench Mark Works)

Kees

Der war nicht nur Berater, sondern Eigentuemer. Hat sehr viel Erfahrung mit die alte BMW's. Nicht das er immer recht hat aber auch kein Scharlatan.

Und warum sollte da nicht ein bischen luft durch die Simmeringe gezogen werden? Habe ich oefter von gelesen, aber weiss es ach nicht genau.

Heiko

Um es mal so zu sagen:

Die Dichtringe sollen gegen ein flüssiges Medium abdichten, aber nicht gegen ein gasförmiges. Vor dem Hintergrund ist da eventuell irgendwas an der Aussage dran, aber es ist sicherlich nicht gewollt. Eher ist leichter Unterdruck im Kurbelgehäuse förderlich, damit der Motor nicht aus allen Ritzen Öl pisst.
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

jan.h.

als ich das gelesen habe,mußte ich sofort an den Zweitaktmotor denken.
Der saugt ja über das Kurbelgehäuse,also Unterdruck.
Hat der Zweitakterirgendwelche Probleme,lautet die 1. Regel: Simmerring an der Kurbelwelle undicht.
Am 4 Takter gewollt?  Am Zweitakter schädlich?
Jan.

Heiko

Also stimmt die Guru-Aussage zum Viertakter nur, wenn der Dichtring defekt ist?
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

motoclub

Erstens ist es nicht so, dass die Entlüftung erst im UT geöffnet wird - die ist über große Teile der Abwärtsphase der Kolben offen und schließt, wenn der Kolben wieder hoch geht.

Zweitens dichtet der Simmerring gegen ein Vakuum sicher nicht ab - dass jedoch Luft am SiRi vorbei ins Kurbelhaus gezogen wird, höre ich zum ersten Mal.
Mal ein paar Überlegungen dazu: In das Motorgehäuse gehen locker 5l Öl rtein, bis es randvoll ist. Ein 500er Boxer würde idealerweise das Volumen von 5l auf 5,5 l erhöhen, wenn sich die Kolben aufwärts bewegen. Dabei entsteht ein Unterdruck von vielleicht 900 mbar, gegenüber 1.000 mbar in der Umgebung. Zudem geht als Störgröße nicht Blow-by in die Rechnung ein, das reduziert den Unterdruck.

Ob das ausreicht, um Luft an Dichtungen vorbei einströmen zu lassen? Ich weiß es nicht, aber ich habe es auch noch nie im Betrieb beobachtet ...  ;)

Am Ende: Ist es erheblich? Ich denke nicht. Wichtig ist, dass Öl durch diesen Unterdruck am Austritt gehindert wird.

Viele Grüße
Thomas

mitoma68

Ich denke die Erklärung von Thomas ist korrekt. Glaube nicht, dass da groß Frischluft angesaugt wird - der Unterdruck ist ja gerade gewollt.

Der Zweitakter saugt (meist) im Verdichtungshub frisches Gemisch über das Kurbelgehäuse an (Unterdruck) und im Arbeitshub wird im Kurbelgehäuse vorverdichtet, damit das Gemisch über die Überströmkanäle nach oben in den Brennraum strömt (Überdruck). Die Wedis der Kurbelwelle sollten also in beide Richtungen abdichten. Weil die Wedi z.B. im Motor des Trabi mangels Schmierung nicht so lange dicht hielten (der Motor zog dann ,falsche Luft' und tourte schlecht runter),  wurden sie von geschickten Technikern durch Kolbenring-Labyrinth-Dichtungen ersetzt, die hielten dann locker 100Tkm... 😉

Heiko

#12
Die Erklärung von Thomas ist(!) korrekt und was sind Kolbenring-Labyrinth-Dichtungen?

Ich kenne nur Kolbenringe oder Labyrinth-Dichtungen, aber keine Kolbenring-Labyrinth-Dichtungen.

Ob beim Zweitakter besondere Wellendichtringe verwendet werden, können sicherlich unsere Zweitaktspezialisten beantworten.

Ich glaube nicht, wo wir wieder beim Glauben wären. Es werden dieselben wie beim Viertakter sein.
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

mitoma68

Nur um die Frage zu beantworten, obwohl es in einem Viertaktforum nicht passt: es gab damals keine fertig passenden Labyrinthdichtungen zu kaufen. Daher wurde der Wedi-Lagersitz auf der Schwungscheibe etwas abgedreht, um mehr ,Bauhöhe' zu gewinnen. Dort wurde ein selbstgedrehter Ring mit Labyrinth aufgepresst. Im Labyrinth liefen zwei parallele angepasste Kolbenringe, die im Außenring fest klemmten. Hat prima funktioniert und lief ewig. Mein Vater hat die beinahe in Kleinserie für Kollegen, Verwandte und Freunde gedreht und eingebaut. Aber das schweift jetzt an dieser Stelle doch etwas weit ab... 😉

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