Kipphebelversteifungsplatte

Begonnen von mitoma68, 05 Oktober 2026, 09:52:46

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mitoma68

Vergangenes Wochenende zum Sidecarfestival in Oschersleben entdeckte ich einen R50 Rollenboxer-Rennmotor, der eine zusätzliche schätzungsweise ca. 8 mm dicke Aluminium-Platte zwischen Zylinderkopf und Ventildeckel hatte. Auf Nachfrage erklärte der Fahrer, dass sei eine Stabilisierungsplatte für die Kipphebellagerböcke, weil die Serien-Ständerhülsen bei hohen Drehzahlen instabil werden. Manche fertigen das aus Alu, andere aus Stahl und schweißen da gleich die Lagerböcke auf.
Hat von euch vielleicht jemand eine Skizze oder ein Foto, wie so eine Platte im ausgebauten Zustand aussieht? Nein, ich habe nicht vor, das nachzubauen - ist rein interessehalbe.
Gruß, Thomas



mitoma68

Sieht so aus als hätte hier noch keiner etwas davon gehört... 🤷�♂️

berndr253

#2
Für die ersten Gleitlagerboxer hab ich einteilige Kipphebelböcke angefertigt.
Davon hab ich eine Kleinstserie aufgelegt die alle ohne Problem seit etlichen Tausend Kilometer laufen.
Die Kipphebelböcke sind auf eine 4 mm starke Grundplatte aus Stahl gesetzt und verschweißt.
Damit die Kipphebel nicht zu hoch stehen sind in der Grundplatte unter den Böcken Aussparungen so dass nur die Kipphebelböcke auf den Ständerhülsen sitzen, nicht die Grundplatte.

Grusz

Bernd


mitoma68

Gefällt mir! Gibt es das auch für die Rollenboxer? Damit lässt sich wahrscheinlich ein definiertes Axialspiel dauerhaft exakt einstellen.
Gruß, Thomas

berndr253

Hab ich für Rollenboxer noch nicht geprüft. Um hier das "axiale Klappern" in Grenzen zu halten habe ich hier Kunststoffscheiben verwendet mit denen das axiale Spiel vermindert werden kann. 
Diese Lösung habe ich auch für die Kipphebel der Einzylinder gewählt.

Grusz

Bernd

mitoma68

Welche konkreten Scheiben in welcher Dicke verwendest Du dafür? Die sollten ja etwas temperaturbeständig sein.

berndr253

Da gibt es im Einzylinderforum einen ziemlich umfangreichen thread zu.
https://bmw-einzylinder.de/forum/index.php?topic=16466.msg229573#msg229573

Grusz

Bernd

mitoma68

Schöne Aktion, vor 10 Jahren! Hast Du denn noch solche Scheiben übrig - würde noch 8 oder wenigstens 4 nehmen. Da die vermutlich lebenslang halten, schlummern evtl. noch irgendwo bisher ungenutzte Reserven und warten ungeduldig auf ihren Einsatz ... 😉

berndr253

#8
Leider hab ich keine "Reseven" mehr - hab auch nicht vor diese Aktion zu wiederholen. Es gibt aber "Nachfolger" die hier noch einmal "nachgelegt" haben.
Die in den Kipphebeln vorhandenen gehärteten Stahlscheiben werden gegen die Kunststoffscheiben ausgetauscht - Stärke glaube ich 1 mm

Grusz

Bernd

Elefantentreiber

Das was Thomas meint, hat nichts mit Geräuschreduzierung zu tun.

Es geht lediglich darum, den ganzen Ventiltrieb "stabil" zu machen um maximal möglichen Ventilhub zu erreichen.

Ich habe das oft in der Hand gehabt, die meisten Varianten waren so schlecht gemacht, das hätte man gleich lassen können.

Ist eine Spielerei für Menschen die vermeintlich schon alles haben, oder an den Placeboeffekt glauben.
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

berndr253

Das Ziel meiner Arbeiten war die Minimierung der Geräuschentwicklung durch das axiale Spiel der Kipphebel, das sich im Lauf der Zeit einstellt. 

Grusz

Bernd

Elefantentreiber

Was glaubt Ihr wie ein Renn-Motor klötert wenn der Auspuff leiser wäre.

Reibung verhindern um jeden Preis, KW und NW in C3 Lager, kompl.

Steuerräder eher 1/10 mm Luft als evtl. zu eng, Stößel sollten nicht all zu viel Spiel haben,
gleiches Gilt für Kipphebel, aber leicht gehen muss der Krempel.
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

mitoma68

#12
Ich glaube Bernd ging es gar nicht um die Geräusche von Rennmotoren. Er stellte - abgeleitet vom Anfangsthema 'Kipphebelversteifungsplatte' - seine Lösung für einteiligen Kipphebellagerböcke vor. Die sind zwar kein Ersatz für die 'Platte' im Rennsport - aber man kann damit elegant das Axialspiel der Kipphebel präzise einstellen, ohne ungewollte Veränderungen im Fahrbetrieb. Und da zu großes Axialspiel oft Geräusche verursacht, kam anschließend das Thema Einsatz von geräuschminimierenden Kunststoffscheiben auf.

Inzwischen habe ich weitere Anwender der 'Platte' kennenlernen dürfen und hoffe, dass ich auch mal Fotos für hier bekomme. Ok, für Nicht-Rennmotoren mag das sicher irrelevant sein - dennoch finde ich diese Lösungen technisch interessant und für Neulinge und die interessierte Nachwelt berichtenswert. ;-)
Gruß, Thomas

Kees

War da nicht etwas mit Wärmeausdehnung bei die einteilige Kiphebel? Das habe ich im 2V Forum gelesen. Weil der Kopf alu ist und die Kiphebel stahl muss man das Unterschied in die Ausdehnung irgendwie ausgleichen. Das hat nicht jeder vernunftig hin gekriegt.

mitoma68

Die Ausdehnungsdifferenz zwischen Alu und Stahl beträgt bei 100 K bezogen auf 70 mm ca. 0,08 mm. Um diesen Wert verdrückt es regelmäßig die Ständerhülsen. Allerdings dürfte das bei den zweiteiligen Lagerböcken ähnlich sein, oder verschiebt sich ständig die Kipphebelwelle in den Lagerböcken? Ist das der Fall, dann würde es mich nicht wundern, wenn sich das Axialspiel regelmässig von alleine vergrößert.

berndr253

Bei den Lagerböcken ohne Verbindungsplatte ist das auch durchaus korrekt. 
Die Kunststoffscheibe hat allerdings einen "puffernden" Effekt, so dass der Ventiltrieb auf jeden Fall leiser wird. 

Die einteiligen Kipphebelböcke für die /5 sind zweiteilig - hier kürze ich die Anlaufringe um die Stärke der verwendeten Kunststoffscheiben.

Grusz

Bernd

mitoma68

Vor inzwischen 9 Jahren wurden mehrere Hundert dieser Kunststoffscheiben verkauft und vermutlich auch verbaut. Von daher müsste es ja inzwischen ,Langzeiterfahrungen' damit geben - mag sich vielleicht jemand von ,damals' zu Pro&Contra äußern?

Elefantentreiber

Zitat von: mitoma68 am 15 Oktober 2026, 22:15:13Vor inzwischen 9 Jahren wurden mehrere Hundert dieser Kunststoffscheiben verkauft und vermutlich auch verbaut. Von daher müsste es ja inzwischen ,Langzeiterfahrungen' damit geben - mag sich vielleicht jemand von ,damals' zu Pro&Contra äußern?

Da fragst Du vermutlich im falschen Forum.

Das war wohl überwiegend drüben bei den Unterarmgehhilfen
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

mitoma68

Ich gehe davon aus, dass bei vielen Eintöpflern jeweils auch ein Boxer im Stall steht und sie in beiden Foren aktiv sind.
Und ein wenig Belebung tut ja auch dem Boxerforum gut... 😉

Kees

Meine Kunstofscheiben liegen schon Jahren im Schrank. Die sind noch nicht verschlissen 😄

(Es ist alles halb so schlimm mit das tickern. Braucht man nicht wirklich. Es ist keine post '70 machine).

Elefantentreiber

@mitoma68; hast Du Dir im Vorwege mal die Höhen der Ständerhülsen angesehen.

Ich hatte gerade einen vor nicht allzu langer Zeit überholten Zylinderkopf in der Hand,
da waren die Ständerhülsen für einen Kipphebel 0,8 mm unterschiedlich hoch.

Bevor das nicht ausgeglichen ist, braucht man sich um keine Arbeit an den Kipphebel kümmern.
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

Heiko

Zitat von: mitoma68 am 16 Oktober 2026, 07:45:05Ich gehe davon aus, dass bei vielen Eintöpflern jeweils auch ein Boxer im Stall steht

Eher weniger denke ich.
"Mitarbeiter der RGK-Redaktion"

mitoma68

#22
Interessant wäre, wie Du diese Differenz behoben hast?
Wenn eine Passscheibe Murks ist, dann bleibt ja nur heiß machen, Ständerhülsen ziehen und Sitze im Kopf nachfräsen?

Und ,überholt' ist manchmal halt auch ein sehr weit gefasster Begriff. Letztens wurde bei Kleinanzeigen ein ,überholtes' HAG angeboten - da fehlten an den Zähnen der Mitnehmerverzahnung schon locker 30% der ursprünglichen Zahndicke, so verschlissen war das...

mitoma68

Schade, dass das wohl ein Betriebsgeheimnis ist. 😉
Im privaten Austausch meinte ein von mir sehr geschätzter Schrauber, dass die Kunststoffscheiben bei den Gleitlagerboxern wahrscheinlich ihre Berechtigung haben, er das Geräuschthema bei den Rollenboxern hingegen nicht kenne. Mir selbst fehlt die Erfahrung, das beurteilen zu können.
Interessant bleibt, wie man beim Überholen von Köpfen ,eingesunkene' Ständerhülsen wieder auf 88 mm bringt? Er greift zu Passscheiben. Mir ist nicht klar, wie man das unter Verzicht auf Passscheiben wieder auf Höhe bringen wollte. Dann blieben ja zum Längenausgleich fast nur neu gedrehte längere Ständerhülsen - treibt ihr diesen Aufwand oder liege ich komplett falsch?
Gruß, Thomas

Elefantentreiber

Hallo Thomas,

Ständerhülsen messen, notieren, raus nehmen, passende Scheiben drunter und gut ist.

Einige Menschen legen die Scheiben nur zwischen Ständerhülse und Kipphebel, das geht,
fallen aber gerne mal runter.

Ein Kipphebel der sauber geführt, sehr wenig axiales Spiel hat, braucht in der Regel keine Kunststoffscheiben.

Und bei dem wenigen Ventilhub tut sich da auch nicht viel, das sieht bei den RO-160 Nocken und derer der Gleitlagermotoren anders aus.
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

mitoma68

Zitat von: Elefantentreiber am 19 Oktober 2026, 08:38:45Hallo Thomas,

Ständerhülsen messen, notieren, raus nehmen, passende Scheiben drunter und gut ist.

Einige Menschen legen die Scheiben nur zwischen Ständerhülse und Kipphebel, das geht,
fallen aber gerne mal runter.

Ein Kipphebel der sauber geführt, sehr wenig axiales Spiel hat, braucht in der Regel keine Kunststoffscheiben.

Und bei dem wenigen Ventilhub tut sich da auch nicht viel, das sieht bei den RO-160 Nocken und derer der Gleitlagermotoren anders aus.

Danke!

Elefantentreiber

Noch einmal eine kurze Anmerkung zu den Ständerhülsen,
das verdrängte Material der zu tiefen Ständerhülsen muss ja irgendwo sein.

Das hat meist die Bohrung für die Zylinderkopfschrauben enger gedrückt, deswegen gehen viele
dieser Schrauben nur schwer zu montieren, und ein anderer Teile hat sich hoch in die Ständerhülsen gedrückt.

Schaut Euch das ruhig mal bei dem einen oder anderen Zyl.-Kopf an.

Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

mitoma68

#27
Ein Rennfahrer schickte die Bilder einer solchen Kipphebelversteifungsplatte und erlaubte deren Verwendung. Die stelle ich mal hier ein, damit man mal live sieht, welcher Aufwand da so getrieben wird.

Ziel des Aufwandes - mehr Steifigkeit des Ventiltriebes bei höchsten Drehzahlen, dadurch präzisere Steuerzeiten - und die KI bringt noch ins Spiel, dass dadurch die Köpfe weniger Rissbildung zeigen würden. Keine Ahnung, ob Letzteres zutrifft...

Ob das überhaupt etwas bringt und wenn ja, wieviel, lässt sich schwer sagen. Dennoch begeistert es, wieviel Herzblut und Zeit manche in ihre betagten Schätze investieren. 🙂👍
Gruß, Thomas

SuperMaxe

Echt eine Augenweide.
In solch Rennmotoren steckt oft sehr viel Herzblut.
Die Kipphebel gefallen mir auch sehr gut. Sehen maschinell bearbeitet aus und nicht mit dem dremel.
Kann man dazu vielleicht mehr erfahren?


Elefantentreiber

Das ist schnell erklärt, weniger Gewicht das hin und her beschleunigt und abgebremst werden muss, Reduzierung der Bruchgefahr durch Kerbwirkung.

Das mache ich in der Regel auch bei meinen KHs, nicht ganz so filigran aber schon deutlich.
Zündapp´s sind immer noch die besseren Boxer

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